Hätte man mich vor einigen Jahren zu meinem Glauben befragt, ich hätte nur müde gelächelt.
Gott?
Ein überholtes Modell, die Welt zu sehen.
Heute lächele ich nicht müde, denn vieles hat sich in meinem Leben verändert.

Aber dies ist kein Artikel darüber, was sich für mich änderte. Und nein, dies ist kein Versuch, jemanden zu missionieren. Mein Glaube ist alt, älter als das Christentum, und ich missioniere nie.
Nein, mir geht es um eine neue Religion, die mit Vehemenz versucht, andere Religionen zu verdrängen – der Glaube des Atheismus.

»Halt!«, werden nun manche rufen, »Atheismus ist keine Religion! Es ist kein Glaube, sondern gerade das Gegenteil davon!«

Und nach strenger Definition mögen sie damit richtig liegen. Nicht aber, wenn man sich das harte Leben anschaut.

Was genau mein ich?

Der Streit, welcher Glaube, welcher Gott und welche Religion nun richtig oder wahr ist, ist uralt. Er tobte in der Antike, er tobte im Mittelalter und er tobte in der Neuzeit. Die Vertreter der jeweiligen Glaubensrichtungen ließen dabei nichts unversucht, um ihre vermeintlichen Gegner zu bekämpfen und deren Glauben ins Lächerliche zu ziehen.

Nicht anders gehen viele Atheisten dieser Tage vor.

Sie ziehen den Glauben generell ins Lächerliche, indem sie vermeintlich lustige Bilder mit verletzenden Sprüchen versehen und diese in Gruppen wie „Religioten“ bei Facebook einstellen.

Und Facebook ist nicht der einzige Tummelplatz. Man findet sie überall, selbst in den Bestsellerlisten!

Ob es nun der Monotheist ist, der einen Polytheisten als verrückt oder weltfremd darstellt, oder der Atheist, der jeden Gläubigen auf diese Weise diskreditiert, spielt keine Rolle. Die Wahl der Mittel, sie ist identisch! Selbst Verbotsforderungen für Religionen habe ich bereits gelesen – so, wie man einst den Glauben an bestimmte Götter verbot, wenn ein neuer „wahrer“ Glaube aufkam. Es gibt tatsächlich keinen Unterschied mehr in der Wahl der Mittel.

Ein weiterer Punkt, in dem sich der vehemente Atheismus dem Glauben angenähert hat, ist der Umgang mit seinen Propheten. Mehr noch – die Propheten des Atheismus verdienen dieser Tage Millionen und werden von ihren Anhängern, den Gläubigen sozusagen, verehrt. Ob nun Harris, Stenger oder die in unseren Breiten besonders bekannten Vertreter dieses neuen Atheismus – Dawkins und Schmidt-Salomon – sie alle erzielen mit ihren Büchern hohe Auflagen, zu ihren Gottesdiensten … Pardon, Vorträgen … strömen die Anhänger in Scharen, um von ihnen Kraft und Zuversicht in ihrem Glauben zu erfahren.

Glaubt man nun, ein solcher Prophet, der überwiegend an den Naturgesetzen festhält, würde sich ein wenig demütig zeigen im Angesicht von Physik, Chemie, Biologie und Kosmos, der irrt. Nein, die zählen sich selbst zu den erhabenen Menschen, indem sie sich den Namen „Bright“ geben – also „Klug“.

Natürlich sagen sie nicht direkt, dass sie sich für etwas Besseres halten. Das würde ihnen in ihrem missionarischen Tun schließlich im Wege stehen. Daher haben sie sich eine hübsche, kleine Geschichte ausgedacht, warum sie sich so bezeichnen. Ich hingegen aber denke, dass sich diese Leute schlicht für etwas Besseres, für Klüger als die „Religioten“ halten.

Punkt!

Und damit kommen wir zum nächsten Punkt – dem missionarischen Eifer. Ich glaube, niemand missioniert dieser Tage mehr, als es die Atheisten unserer Zeit tun. Sie lassen keine Gelegenheit ungenutzt, um Gläubigen ihre Dummheit vor Augen zu führen, um Religion in den Schmutz zu ziehen und darauf zu drängen, dass allein ihre Sicht der Dinge richtig und wahr ist!

Ich hatte Debatten mit Atheisten, die gingen härter und rüder vor als es jeder Zeuge Jehovas jemals könnte! Fast schon erinnerte der Duktus an jenen der Taliban …

Der missionarische Eifer der Atheisten, er ist dieser Tage ungebremst. Zumindest in der westlichen Welt. Und in jedem einzelnen Gespräch, in jeder einzelnen Debatte kommt hervor, was ich zuvor schrieb – die Arroganz dieser Menschen, sich für etwas Besseres, für „Bright“ zu halten.

Nur – wenn sie Bright sind, was sind es dann jene, die an einen oder mehrere Götter glauben?

Genau, das Gegenteil. So, wie es in der Antike, dem Mittelalter und der Neuzeit war, wenn eine Religion begann, eine andere abzulösen.

Und wie einst die Propheten eines neuen Gottes, entziehen sich auch die Atheisten heute jeder Frage nach einem Beweis. Sie verschränken die Arme und sagen, dass sie nichts Beweisen müssten, schließlich würden sie ja nicht glauben.

Das mag eine bequeme Einstellung sein, aber richtig ist sie nicht. Denn am Ende, wenn man all das andere beiseite lässt, wissen Atheisten absolut nichts.

Sie glauben, dass es keinen Gott gibt, und daraus resultiert all das, was ich zuvor schrieb. Ohne den geringsten Beweis dafür, dass ihre Thesen richtig sind, bezeichnen sie andere als Idioten und sich selbst als klug.

Ohne den geringsten Beweis erheben sie sich über andere, attackieren sie und fordern, dass man ihnen folgt.

Klingt das nicht verdammt stark nach einer Religion?

»Folge mir, auch wenn ich meine Worte nicht belegen kann!«
»Folge mir, auch wenn ich selbst keine Ahnung habe, ob ich wirklich richtig liege!«
»Folge mir, auch wenn alles, was ich habe, meine persönliche Überzeugung ist!«

Nun mag mancher die Argumentation der Atheisten, nichts beweisen zu müssen, für gültig erklären. Aber daraus kann sich nie und nimmer ableiten, dass dieses Nicht-Wissen und Nicht-Beweisen-Wollen zum Aufstieg von Propheten, zum Beleidigen Andersdenkender und zu missionarischem Eifer führt.

Dies geschieht nur, wenn aus einer Überzeugung plötzlich eine Religion, ein Glaube wird. Und damit schließt sich der Kreis.

Die neuen Atheisten haben alles, was ein Glaube benötigt – nur, dass sie die Existenz eines Gottes durch dessen Nicht-Existenz ersetzt haben. Sonst aber gibt es dieser Tage keinen Unterschied mehr.